22 Jan

Krank krank

Dass mein Diabetes sich nicht so gern in eine Vorgabe von Zielwerten einsperren lässt und deshalb auch gern mal ausbricht, ist für mich schon lang kein Geheimnis mehr. Man gewöhnt sich irgendwie daran und lernt damit umzugehen.Aber derartige Schwankungen, wie ich es in den letzten zwei Wochen erlebt habe, hatte ich bisher auch nur selten…

Der Grund dafür war, dass ich eine schöne Erkältung hatte. Nichts schlimmes, außer einer hübschen, kleinen, sehr effizienten Männergrippe.

Qulle: http://pixabay.com/

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Morgens ein olles Kratzen im Hals, abends fing die Nase an zu laufen und weniger, als 24 Stunden später, waren eineinhalb Taschentuchpackungen benutzt gen Papierkorb befördert worden. Fieber hatte ich glücklicherweise keines aber Husten, Kopf- und Gliederschmerzen und natürlich der obligatorische männliche Katzenjammer gesellten sich während der Erkältung, die ich austrug, zu mir ins Bett.

Auf die Folgen in meiner Blutzuckerkurve musste ich nicht lang warten. Besonders morgens und abends scherten die Werte erheblich stärker aus, als ich es gewohnt bin. Häufig kam ich am frühen Morgen völlig unterzuckert an, während ich abends mit einem ordentlichen Überzucker zu Bett schniefte.
Scheinbar hatte mein Körper während seines gefühlten Deliriums eine Insulin-Überempfindlichkeit entwickelt, die zu Folge hatte, dass meine Korrekturen zu stark ausfielen und ich so mit meinem Blutzucker eine Berg- und Talfahrt durchmachte; zumindest kam es mir so vor.

bz

Nach ein paar Tagen kam ich auf den Trichter und stelle mich drauf ein; trotzdem bekam ich den störrischen Esel nur schwer unter Kontrolle. Während einer Krankheit ist der Körper nun einmal in Aufruhr und kaum konstant einschätzbar. Mal reagiert er abends um 18 Uhr zu stark, mal zu schwach und mal genau richtig auf Insulin und/oder Kohlenhydrate.

Aber warum eigentlich?
Die Frage habe ich mal Dr. Andreas Klinge, seines Zeichens Diabetologe, Internist und nicht zuletzt auch Twitterer aus dem schönen Hamburg, gestellt:

F: Warum spielt der BZ bei Diabetikern während einer Erkältung so verrückt?

A: Durch jede Entzündung im Körper steigt der Insulinbedarf an. Daher die hohen Werte. Und da der Verlauf einer Erkältung nicht immer so ganz stabil ist (einen Tag ist es schon wieder besser, dann wieder kommt eine leichte Verschlechterung), kann man die Menge des gerade benötigten Insulins auch nicht so ganz leicht vorhersagen. Hieraus entstehen die Blutzuckerschwankungen.

F: Was können Diabetiker dagegen tun?

A: Während einer Erkältung häufiger als sonst den Blutzucker messen, um im Zweifel auch häufiger Korrektur spritzen zu können. Bei einer richtig schweren Erkältung mit Fieber muss auch mal für wenige Tage die Insulinmenge grundsätzlich erhöht werden. Also z.B. auch die Basis.

F: Was sollten Diabetiker bei Erkältungen und Krankheiten unbedingt beachten?

A: Ich würde dazu raten, eine gewisse Gelassenheit an den Tag zu legen. Wenn es sich wirklich „nur“ um eine Erkältung handelt, ist der Spuk ja nach wenigen Tagen wieder vorbei. Ich rate dazu, lieber ein paar erhöhte Werte zu ertragen, als sich durch den Versuch auch während der Erkältung perfekte Werte zu haben eine schwere Unterzuckerung zu provozieren.

Kurz gesagt also: „Don’t panic!“
Einfach mal mehr als 5 Mal am Tag messen und eventuell den Korrekturfaktor etwas senken, um einen Hypo zu umgehen.
Abgesehen davon: Füße hoch, Abwarten und Tee trinken. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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